Wiederansiedlung von Habichtkäuzen

Das Wiederansiedlungsprojekt von Habichtkäuzen im Wildnisgebiet Dürrenstein ist erfolgreich.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts starb der Habichtskauz „Strix uralensis“ in Österreich durch direkte Verfolgung und durch den Verlust von Totholzbäumen mit großen Bruthöhlen aus.

Mit dem Wiederansiedlungsprojekt soll eine Habichtskauz-Population in Österreich etabliert und entstandene Verbreitungslücken zwischen Bayerischem Wald, Böhmerwald und Slowenien geschlossen werden – in den letzten 40 Jahren wurden bereits erfolgreich Wiederansiedlungen durchgeführt.

Wildnisgebiet Dürrenstein – perfekte Umgebung für Habichtskäuze
Im Jahr 2008 wurde unser Wiederansiedlungsprojekt im Wildnisgebiet Dürrenstein gestartet. Das Gebiet einschließlich des Fichten-Tannen-Buchen-Urwaldes Rothwald, ist ein gebirgiger, totholzreicher Naturwald und reich an natürlichen Brutstätten.

Ein junger Kauz vor seinem großen Aufbruch in die Wildnis mit Projektleiterin Nina Schönemann.
Nina Schönemann und Ingrid Kohl beim „Besendern“ eines jungen Kauzes. Im Wildnisgebiet wird Langzeit-Telemetrie (Fernmessung) angewandt, um eine Erfolgskontrolle zu garantieren und um die Habitatwahl der Habichtskäuze, das Nahrungsspektrum, den Bruterfolg und die Abhängigkeit von Buchenmast- und Kleinsäugerzyklen zu erfassen.

10 Jahre Arbeit zur Wiederansiedlung mit Happy End
Von 2009 bis 2018 wurden im Wildnisgebiet Dürrenstein 154 junge Habichtskäuze freigelassen. Telemetrie (Fernmessung) wurde über die gesamte Projektdauer als Erfolgskontrolle eingesetzt. Bereits nach den ersten Projektjahren stellte sich der erste Bruterfolg ein. In den ersten zehn Jahren der Telemetrie im Wiederansiedlungsprojekt von 2009 bis 2018 wurden 14.210 Aufenthaltsorte von freigelassenen Habichtskäuzen (eine Verortung pro Tag pro Vogel) sowie 16.800 Kilometer Wanderbewegungen erfasst (Stand: Juli 2018). 

Balzverhalten und Brutplatzwahl
Freigelassenen Habichtskäuze konnten erfolgreich mehrjährige Brutreviere etablieren und regelmäßig während der Balz beobachtet werden. Die Intensität der Balz, speziell der Frühjahrsbalz scheint sich am Nahrungsangebot zu orientieren. Habichtskäuze wählten im Wildnisgebiet sowohl Nistkästen als auch natürliche Bruthöhlen als Brutplätze, legten zum Teil bereits mit einem Jahr Eier ab und brachten bis zu fünf Jungvögel zum Ausfliegen. Sowohl Jungvögel als auch Altvögel konnten bei innerartlichen Interaktionen beobachtet werden.

Projektleiterin Nina Schönemann

Bruterfolge
Im Wildnisgebiet Dürrenstein ist die Dichte an abgebrochenen Bäumen, Höhlenbäumen und Baumhöhlen unvergleichlich höher als in Wirtschaftswäldern. Nistkästen bieten zusätzliche Unterstützung für Höhlenbrüter. Derzeit sind 100 Nistkästen in der Region um das Wildnisgebiet Dürrenstein montiert. Für die Erhebung des Bruterfolgs der Habichtskäuze werden während der Brutsaison alle Nistkästen sowie alle bekannten natürlichen Bruthöhlen mit einer Teleskopstange und einer Kamera kontrolliert. Im Jahr 2012 wurden die ersten beiden erfolgreichen Bruten mit durchschnittlich 5,5 Eiern und 4 Jungvögeln registriert. Neben den Brutsaisonen 2016 mit sieben Bruten und 2017 mit 10 Bruten war auch die Brutsaison 2015 ein bemerkenswertes Jahr: Ein junger Kauz vor seinem großen Aufbruch in die Wildnis. Zum ersten Mal in der Geschichte der Wiederansiedlung des Habichtskauzes in Österreich konnten zwei Bruten in natürlichen Baumhöhlen bestätigt werden.

Etablierung einer lebensfähigen Population
Eine lebensfähige Population wurde bis jetzt zur Hälfte erreicht. Mindestens 15 Reviere gibt es derzeit im Wildnisgebiet. Für eine nachhaltig lebensfähige Population sollten es mindestens 30 Reviere sein. Auch wenn davon auszugehen ist, dass einzelne erfolgreiche Brutpaare übersehen werden, ist das Wunschziel von 30 Brutpaaren je Freilassungsgebiet noch nicht erreicht. Trotzdem dürfte es eine durchaus erfreuliche „Dunkelziffer“ an Einzelvögeln geben. Die erfolgreiche Verbindung zu den Nachbarpopulationen wurde durch die Dispersion einzelner Jungvögel bereits nachgewiesen.
 
Dieses Projekt zeigt, wir brauchen die Natur und die Wildnis, um unsere Artenvielfalt zu erhalten. Mit dem Haus der Wildnis möchten wir Bewusstsein schaffen für die unwiederbringlichen Naturschätze.